das theater
Die Geschichte
Begegnungen unterschiedlichster Art und Vergnügungen aller Facetten prägen seit Jahrhunderten den Spittelberg. Mit einem Unterschied: Einst war der durch geschäftstüchtige Großgrundbesitzer eng parzellierte Wiener "Hausberg" ein verruchtes Amüsierviertel. Heute ist die Unterhaltung, die hier inmitten der liebevoll herausgeputzten Vorstadt Atmosphäre und reichhaltiger Gastronomie geboten wird, noch immer bodenständig, aber längst salonfähig. Und durch den besonderen Charakter des Theaters am Spittelberg kultureller Anziehungspunkt für Gäste aus dem In- und Ausland.
Denkmal für Jura Soyfer
Das war auch in der jüngeren Geschichet des Spittelberges nicht immer so. Jahrzehntelang verkam der Spittelberg als Stiefkind im Stadtbild. Als in den 1980er-Jahren der Abriss der desolat gewordenen Bausubstanz bevorstand, regte sich in der Bevölkerung erbitterter Widerstand. Sichtbares Zeichen dafür war die Besetzung des Amerlinghauses. Sie bewirkte ein Umdenken. Der historische Bezirksteil wurde saniert. Und im Zuge dessen einem der bedeutendsten politischen Literaten des 20. Jahrhunderts, dem 1912 in der Ukraine in einer jüdischen Familie geborenen und 1939 im KZ Buchenwald gestorbenen Jura Soyfer, ein Denkmal gesetzt. Mit einem Theater, dessen Stil wesentlich von den beiden Theatermachern Reinhard Auer und Georg Mittendrein geprägt wurde. 1983 wurde die neue Spielstätte mit Jura Soyfers Stück "Astoria" eröffnet und bis zum Jahr 1994 mit gesellschaftskritischen Produktionen bespielt. Danach übernahm Fleur Leutgeb die Leitung des Spielbetriebs.
In der Folge inszenierte hier Vollblut-Schauspielerin Ilse Scheer, legendäre Mitbegründerin der "Komödianten" am Wiener Börseplatz und exzellente Brecht-Interpretin. Berühmt-berüchtigt waren nicht zuletzt ihre Moritaten in Form von "Kaiser- und Küchenliedern". Dann wurde es still um das Theater.
Wiedereröffnung 2003
2003 begann eine neue Ära im Theater am Spittelberg. Nuschin Vossoughi übernahm die verwaiste Pawlatschenbühne. Die neue Direktorin hatte sich bereits durch internationale Festivalkonzepte ("Voice Mania" - Internationales A-cappella-Festival, 2010 zum 13. Mal) und durch innovative, teils sehr "wienerische" Kulturprojekte (Wienerlied-Konzertreihe "Wien im Rosenstolz", 2010 zum 10. Mal), aber auch durch interkulturelle Initiativen ("Multikids", "Hallamasch") weit über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen gemacht. Mit einem umfassenden Konzept, vielen Ideen und unerschütterlichem Engagement haucht sie seither auch dem Theater am Spittelberg lebensfrohen Charakter im friedlichen Miteinander der Kulturen ein.
Das Theater am Spittelberg bietet Jahr für Jahr aufs Neue vielfältige Produktionen, die von Kleinkunst bis Weltmusik, von internationalen Acts bis zu Auftritten der heimischen Nachwuchsszene, von Erwachsenen-Theater bis Kinder-Comedy (einer eigenen sonntäglichen Familienschiene) reichen, stets gewürzt mit einer typisch wienerischen Note. Qualität und Originalität an einem urigen Schauplatz vereinen sich so für ein vielschichtiges Publikum.
Mit dem Theater verbindet Nuschin Vossoughi ein kulturpolitisches Anliegen: "Im Mittelpunkt steht das einzigartige und nur in Wien in dieser expressiven und kraftvollen Form gelebte Miteinander der Kulturen sowie eine respektvolle und schöpferische Begegnung dieser verschiedene Welten. Das künstlerische Programm des Spittelberg-Theaters ist sozusagen ein Querschnitt durch alle Kulturen dieser Stadt."
Neustart im generalsanierten Haus 2010
Mit Juli 2010 startet Nuschin Vossoughi mit dem Theater am Spittelberg in eine neue Ära. Dank Ihres Einsatzes wurde das Haus mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Wien (Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny), des Bau- und Gebäudemanagements der Stadt Wien (MA 34), der Bezirksvertretung Neubau (Bezirksvorsteher Mag. Thomas Blimlinger) und des Vorsitzenden des Wiener Gemeinderates, Godwin Schuster, generalsaniert.
Die familiäre Atmosphäre, der besondere Charakter und das erfolgreiche Konzept bleiben in jedem Fall gewahrt. So heißt es wie schon in den letzten Jahren: Hereinspaziert zum vergnüglich berührenden Kulturen-Mix ganz spezieller Art. Im neuen Ambiente - und mit neuen Überraschungen!




